Woran erkenne ich, ob mein Baby beim Stillen wirklich genug trinkt?

Woher weiß ich eigentlich, ob mein Baby genug bekommt?“
Diese Frage beschäftigt unglaublich viele stillende Mamas.
Und das ist verständlich. Eine Flasche kannst du anschauen und ungefähr einschätzen, wie viel dein Baby getrunken hat. Beim Stillen siehst du diese Zahl nicht.
Gerade in den ersten Tagen kann deshalb schnell Unsicherheit entstehen.
Als Hebamme möchte ich dir aber einen anderen Blick auf das Stillen mitgeben:
Du musst nicht die Milliliter kennen, um zu erkennen, ob dein Baby gut trinkt.
Hörst du dein Baby schlucken?
Ein wichtiger Hinweis ist, dass dein Baby nicht nur an der Brust saugt, sondern zwischendurch auch schluckt.
Gerade beim Kolostrum in den ersten Tagen sind die Mengen noch klein – das bedeutet aber nicht automatisch, dass dein Baby zu wenig bekommt.
Die erste Milch ist speziell auf diese erste Zeit abgestimmt.
Wie verhält sich dein Baby nach dem Stillen?
Auch das kann dir Hinweise geben.
Manche Babys wirken nach einer Stillmahlzeit zufrieden und entspannt. Andere möchten trotzdem noch kuscheln oder suchen weiterhin die Brust.
Das allein sagt also noch nicht alles aus.
Deshalb sollten immer mehrere Zeichen gemeinsam betrachtet werden.
Windeln sind ebenfalls ein wichtiger Hinweis
In den ersten Tagen verändert sich auch die Anzahl und Art der nassen und vollen Windeln.
Das ist einer der Gründe, warum Hebammen gerade am Anfang häufig danach fragen.
Die Windeln können uns dabei helfen zu beurteilen, wie sich die Ernährungssituation entwickelt. Ab dem 7ten Tag sollte dein Baby auf mindestens 5 volle Windeln in 24 Stunden kommen.
Und was ist mit häufigem Stillen?
Hier entsteht besonders häufig ein Missverständnis.
Ein Baby, das sehr oft trinken möchte, bekommt nicht automatisch zu wenig Milch.
Neugeborene haben kleine Mägen und trinken nicht ausschließlich nach einer festen Uhr.
Außerdem dient Stillen nicht nur der Nahrungsaufnahme. Nähe, Regulation und Beruhigung können ebenfalls eine Rolle spielen.
Deshalb würde ich Eltern nie empfehlen, allein aufgrund der Häufigkeit des Stillens zu entscheiden: „Mein Baby bekommt bestimmt nicht genug.“
Wann sollte ich Unterstützung holen?
Wenn du unsicher bist, ob dein Baby ausreichend trinkt, dein Baby ungewöhnlich schläfrig ist, schlecht trinkt, deutlich weniger nasse Windeln hat oder du einfach das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, solltest du dir Unterstützung durch Hebamme, Stillberatung oder Kinderarzt/Kinderärztin holen.
Gerade am Anfang ist es völlig in Ordnung, einmal mehr nachzufragen.
Du musst nicht erst warten, bis du völlig verzweifelt bist.
Mein Hebammentipp
Versuche, beim Stillen nicht nur auf die Uhr zu schauen.
Beobachte dein Baby.
Wie saugt es? Schluckt es? Wie wirkt es während und nach dem Stillen? Wie entwickeln sich die Windeln?
Je besser du diese Zeichen kennst, desto mehr Sicherheit bekommst du.
Und genau das ist für mich einer der wichtigsten Bausteine eines entspannten Stillstarts: Nicht einfach irgendwelche Regeln auswendig zu lernen, sondern zu verstehen, was dein Baby dir zeigt.
Wenn du dir genau dieses Wissen für euren Stillalltag wünschst, findest du in meinem Onlinekurs „Stillen ist (K)EIN Kinderspiel“ noch viele weitere praktische Informationen rund um Anlegen, Stillzeichen, Stillpositionen, Milchbildung und typische Unsicherheiten in der ersten Zeit.
Denn Stillen darf gelernt werden – von deinem Baby und von dir.



